„Ökosektor in Deutschland legt zu“ - Wie ist das in Niedersachsen?

Anfrage der Abgeordneten Andrea Schröder-Ehlers, Ronald Schminke, Wiard Siebels, Renate Geuter, Karl-Heinz Hausmann und Rolf Meyer (SPD) vom August 2010

Mit Antwort der Landesregierung

Die dpa meldet am 5. Juli 2010, dass die ökologische Landwirtschaft nach Informationen der Passauer Neuen Presse (PNP) in Deutschland weiter auf Expansionskurs sei. Jeder 18. Betrieb -insgesamt 21 047 - wirtschaftete im vergangenen Jahr bereits ökologisch, so die PNP. Das entspreche im Vorjahresvergleich einem Zuwachs von 6,2 % auf nunmehr 5,6 % aller Betriebe. Die Fläche für Bio-Anbau sei um 4,3 % gestiegen. Die Steigerungsraten würden sich damit fortsetzen. Dies gelte neben der reinen Landwirtschaft auch für die Zahl der verarbeitenden Betriebe und Importeure. Insgesamt waren demnach im vergangenen Jahr 31 295 Unternehmen – Erzeuger, Verarbeiter und Importeure - im Ökosektor tätig.

Wir fragen die Landesregierung:

1. Wie stellt sich die Entwicklung und Situation des Ökolandbaus in Niedersachsen unter Anwendung der o. g. Zahlenangaben auf Landesebene heruntergebrochen dar, und auf welchem Rang liegt Niedersachsen demnach im Ländervergleich?

2. Nach welchem Konzept und welchen Zielsetzungen wird der Wirtschaftsfaktor „Ökolandbau“ in Niedersachsen weiterentwickelt?

3. Niedersachsen wird von der Landesregierung im Ländervergleich als Agrarland Nummer eins bezeichnet, Inwieweit wird die Landesregierung sicherstellen, dass dies auch für den vom Verbraucher immer stärker nachgefragten Ökolandbau zutreffen wird?

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Antwort der Landesregierung

Zu 1:
Nach den Anfang Juli von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vorgelegten Zahlen ist die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr von 907.786 ha auf 947.115 ha gestiegen (= 4,3 % Wachstum; Stand: 31.12.2009). In Niedersachsen ist im gleichen Zeitraum die Fläche von 71.245 ha auf 74.728 ha gewachsen (= 4,9 % Wachstum). Bezogen auf die vergangenen 7 Jahre (Jahre 2002-2009) ist in Deutschland die ökologisch bewirtschaftete Fläche um 35,9 % gestiegen (= 250.000 ha). In Niedersachsen ist im gleichen Zeitraum die Fläche um 43,7 % bzw. um 22.700 ha gewachsen. Die Bundesländer mit der derzeit meisten Ökofläche sind: Bayern (186.210 ha), Brandenburg (139.868 ha), Mecklenburg-Vorpommern (118.111 ha), Baden-Württemberg (100.080 ha) und Niedersachsen (74.728 ha).

Ein wichtiger Indikator für die Entwicklung des Ökomarktes ist auch die Zahl der Unternehmen, die ökologische Erzeugnisse verarbeiten. Die Zahl dieser Unternehmen ist in Niedersachsen in den vergangenen Jahren erfreulicherweise ebenfalls kontinuierlich gewachsen. Bezogen auf die vergangenen 7 Jahre (Jahre 2002-2009) ist in Deutschland die Zahl der Unternehmen, die ökologische Lebensmittel verarbeiten, um 122 % gestiegen (= 6.120 Unternehmen). In Niedersachsen ist dagegen im gleichen Zeitraum die Zahl dieser Unternehmen um 130 % bzw. 600 Unternehmen gewachsen. In Niedersachsen hat sich die Zahl dieser Unter-nehmen in den letzten sieben Jahren damit mehr als verdoppelt. Die Bundesländer mit den derzeit meisten Unternehmen, die Öko-Lebensmittel verarbeiten, sind: Bayern (2.623), Baden-Württemberg (2.306), Nordrhein-Westfalen (1.308), Niedersachsen (1.061) und Rheinland-Pfalz (830).

Zu 2:
Der Markt für Biolebensmittel hat sich in den vergangenen sieben Jahren von rund 3 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf rund 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2009 annähernd verdoppelt. Umgerechnet auf die Bevölkerungs-zahl Niedersachsens ist damit der Umsatz von Biolebensmitteln in unserem Bundesland von rund 291 Millionen Euro im Jahr 2002 auf rund 565 Millionen Euro im Jahr 2009 gestiegen. Um den ökologischen Landbau in Niedersachsen weiter zu entwickeln und die gestiegene Nachfrage nach Biolebensmitteln mit Erzeugnissen aus heimischer Bioerzeugung zu sichern, hat die Landesregierung einen umfassenden Katalog von Maßnahmen initiiert. Hierzu gehören insbesondere folgende Maßnahmen:

• Umstellungs- und Beibehaltungsprämie (Maßnahme NAU C) im Rahmen der Niedersächsischen Agrarumweltprogramme
• Förderung des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen
• Unterstützung von verschiedenen Marketingaktionen, u. a. Förderung des Niedersächsischen Gemeinschaftstandes auf der BioFach
• Durchführung der Aktionstage Ökolandbau
• Förderung praxisorientierter Versuche zum ökologischen Landbau
• Niedersächsischer Fachbeirat zur Förderung des Ökologischen Landbaus (berufen durch die Landesregierung; derzeit 24 Mitglieder aus den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Beratung und Wissenschaft)

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf ein Projekt, mit dem konventionelle Landwirte intensiv über die Möglichkeiten ihres Betriebes zur Umstellung auf den ökologischen Landbau informiert wurden. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Bioprodukten und auf Basis der Entschließung des Niedersächsischen Landtages vom 18.10.2007 „Chancen des Biobooms für Niedersachsen nutzen“ (LT-Drs. 15/4147) wurden im Frühjahr 2008 zusätzliche Mittel für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Das Projekt wurde im Zeitraum vom März 2008 bis Mai 2009 durchgeführt. Ein Teil der beratenen Betriebe befindet sich derzeit in der Umstellung. Aus Sicht der Landesregierung ist auch erfreulich, dass erstmals die Messe BioNord am 17.10.2010 auf dem Gelände der Messe Hannover ausgerichtet wird. Sie hat das Vorhaben von Anfang an positiv begleitet. Durch die Messe sind weitere positive Impulse für die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft in Nie-dersachsen zu erwarten. Die Messe BioNord findet seit dem Jahr 2004 statt. Sie wurde bisher in Bremen bzw. in den letzten Jahren in Hamburg durchgeführt. Sie richtet sich gezielt an Fachbesucher aus dem Naturkost- und Reformwarenhandel, von Bio-Supermärkten sowie an Bio-Großverbraucher und die Bio-Gastronomie. Auch der regionale Bio-Großhandel ist auf der Messe vertreten. Die Messe erfreut sich eines stetig steigenden Zuspruchs und bedient das wachsende Interesse an Regionalität. Nach den derzeit vorliegenden Informationen beteiligen sich in diesem Jahr mehr als 300 Aussteller an der BioNord, d.h. rund 100 mehr als im vergangenen Jahr in Hamburg.

Nach Auffassung der Landesregierung haben die aufeinander abgestimmten Fördermaßnahmen wesentlich zum positiven Wachstum des ökologischen Landbaus in Niedersachsen beigetragen. Wie im Koalitionsvertrag für den Zeitraum 2008-2013 festgelegt, wird die Landesregierung „das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen weiter unterstützen und die bewährten Förder-, Versuchs- und Vermarktungsaktivitäten bei-behalten.“

Zu 3:
Wie unter 2. ausgeführt, unterstützt die Landesregierung die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft mit einer Reihe von speziellen Maßnahmen. Diese Maßnahmen dienen dem Ziel, entsprechend der Nachfrage die Fläche auszuweiten und den Sektor – auch im Wettbewerb mit anderen Regionen – zu stärken und weiter zu entwickeln. Auf Basis der gewachsenen Nachfrage nach Bioprodukten, der wettbewerbsfähigen Struktur und Innovationsfreude der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft und der gezielten Fördermaß-nahmen zum ökologischen Landbau sieht die Landesregierung gute Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum dieses Sektors in unserem Bundesland.

Mit Bezug auf Ihre Frage und mit Blick in die Zukunft verweist die Landesregierung zusätzlich auch auf folgende Ausführungen zum ökologischen Landbau in der Publikation „Visionen 2021 – Für ein innovatives Niedersachsen“ (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung): „Regionaler Bezug, Globalisierung und Standards über der Norm der EU-Bio-Verordnung sind drei der wichtigsten Standbeine der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft in Niedersachsen. Regionaler Bezug und Globalisierung widersprechen sich nicht, da einerseits die regionale Herkunft ein wichtiges Kaufkriterium bleiben wird. Andererseits bekommt der Handel im sich weiter entwickelnden deutschen, europäischen und weltweiten Biomarkt eine zunehmende Bedeutung für die niedersächsischen Unternehmen der ökologischen Ernährungswirtschaft.“