Hähnchen sterben den Hitzetod – Welche Maßnahmen sind erforderlich, um ein Massensterben von Geflügel in Intensivtierhaltungsanlagen bei großer Hitze zu verhindern?

Anfrage der Abgeordneten Renate Geuter (SPD) vom Oktober 2012
- mit Antwort der Landesregierung

Aufgrund hoher Temperaturen sind im August diesen Jahres auch in Niedersachsen Tausende von Hähnchen in überhitzten Ställen verendet. Die Presse berichtete, dass im Landkreis Cloppenburg 38 Betriebe bekannt seien, in denen es zu erhöhten Tierverlusten gekommen ist. Dies wurde anhand der Lieferlisten der Tierkörperbeseitigungsanstalt ermittelt. Berichte über erhöhte Tierverluste während der Hitzephase im August gibt es auch aus weiteren Landkreisen. Wie viele Tiere genau gestorben sind, ist unklar. Es gibt keine Meldepflicht. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat die Kreisveterinärämter aufgefordert, die Vorfälle zu untersuchen.

Die Mastställe bei großer Hitze auf Temperatur zu halten, ist nicht leicht, denn der Kühltechnik sind Grenzen gesetzt. Die baulichen Standards der Stallanlagen sind sehr unterschiedlich. Schlachtreife Tiere sind von dieser Situation besonders betroffen.
Die Hitzeproblematik ist nicht neu. So hat das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium bereits vor einigen Jahren ein Merkblatt zur Vermeidung von Hitzestress bei Jungmasthühnern (Broilern) herausgegeben. Darin werden die Mäster u. a. angewiesen, „die Klimadaten rechtzeitig einzuholen, die Luftgeschwindigkeit im Tierbereich zu erhöhen und notfalls die Stallhülle zu kühlen und für den ständigen Zugang zu Trinkwasser auch während der Nacht zu sorgen“. Die Veterinärämter sollen nun laut dem Landwirtschaftsministerium prüfen, ob das Merkblatt Anwendung gefunden hat und warum es im Einzelfall zum Verenden von Tieren in Erzeugerbetrieben gekommen ist.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Welche Erkenntnisse liegen inzwischen sowohl über den Umfang als auch über die Ursache des Hitzetodes von Hähnchen in den Sommermonaten 2012 vor?

2. Gibt es Hinweise darauf, dass in den Fällen mit Tierverlusten das vom ML herausgegebene Merkblatt nicht beachtet wurde oder gibt es Schadensfälle, obwohl die Hinweise des vom ML herausgegebenen Merkblattes eingehalten wurden?

3. Ist die Landesregierung der Auffassung, dass die geltenden Vorschriften zur Belüftung und Kühlung von Geflügelhaltungsanlagen ausreichend sind und, wenn nein, wo sieht sie Verbesserungsbedarf?

4. Durch wen und wie häufig wird die Einhaltung der geltenden Vorschriften und Richtwerte kontrolliert?

5. Gibt es, vor dem Hintergrund der Tatsache, dass gerade schlachtreife Tiere bei großer Hitze besonders gefährdet sind, Überlegungen, die Vorgaben zur Besatzdichte in Geflügelställen in Sommermonaten einzuschränken und, wenn ja, in welchem Umfang?

6. Sieht die Landesregierung Handlungsbedarf, um ein massenhaftes Geflügelsterben während einer Hitzewelle zukünftig auszuschließen und, wenn ja, in welchen Bereichen?

7. Teilt die Landesregierung die Auffassung, dass sich das Problem des Hitzetodes bei Geflügel wegen des Klimawandels verschärfen wird und welche Konsequenzen sind nach ihrer Ansicht daraus zu ziehen?

8. Liegen der Landesregierung auch Erkenntnisse über den Hitzetod von Geflügel während des Transportes zu den Schlachtereien vor und, wenn ja, welche?

9. Sieht die Landesregierung die Notwendigkeit, auch die Bedingungen für den Transport von Geflügel zu den Schlachthöfen im Hinblick auf die Vermeidung von Hitzestress zu verändern und, wenn ja, in welchen Bereichen?

10. Gibt es in anderen Bundesländern bezüglich der Klimatisierung von Geflügelmastanlagen ebenfalls Merkblätter und wenn ja, welchen Inhalt haben diese?

11. Verfügt die Landesregierung bezüglich der Thematik über Informationen aus dem europäischen Ausland und wenn ja, welche sind das?

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